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Entstehung

Für die Mitglieder der Freien Berufe galt es lange Zeit als selbstverständlich, für die Risiken des Alters selbst vorzusorgen. Erst im 19. Jahrhundert entwickelten sich erste regionale Unterstützungskassen. Derartige Einrichtungen konnten zwar vereinzelt Not lindern, jedoch keine annähernd ausreichende Versorgung gewährleisten. Die Bemühungen, eine zentrale Einrichtung mit allgemeiner Beitrittspflicht zu errichten, blieben zunächst erfolglos. Um so schlimmer traf es die Freien Berufe und deren Angehörige, dass ihre Eigenvorsorge durch die rasch fortschreitende Inflation nach Beendigung des 1. Weltkrieges fast vollständig vernichtet wurde. In dieser scheinbar ausweglosen Situation reifte bei den ärztlichen Standesvertretern die Vorstellung, aus eigener Kraft ein solidarisches System aufzubauen.

Die Erfolgsgeschichte der Bayerischen Ärzteversorgung begann 1921, nachdem Verhandlungen der Bayerischen Landesärztekammer mit der privaten Versicherungswirtschaft zu keinem Ergebnis geführt hatten. Eine Absicherung in Form eines Gruppenversicherungsvertrages erwies sich nach gründlicher Prüfung als nicht realistisch, da es für einen Großteil der Ärzte schlichtweg unmöglich gewesen wäre, die erforderlichen hohen Beiträge aufzubringen.

Daraufhin setzte sich die Auffassung durch, dass eine bezahlbare soziale Sicherung nur über eine Pflichtversicherung mit Beitragsumlage und staatlicher Aufsicht zu erreichen ist. Da die wirtschaftliche Lage der Ärzteschaft keinen Aufschub duldete, unterbreitete der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Alfons Stauder, auf dem Bayerischen Ärztetag 1921 elf Leitsätze zur Gründung einer Pensionsversicherung in Form eines berufsständischen Versorgungswerkes.

Diese Kernpunkte wurden 1921 einstimmig angenommen und 1922 erneut bekräftigt. Der Bayerische Ärztetag nahm hierzu folgende Entschließung an: "Die Bayerische Landesärztekammer stellt im Hinblick auf die dringende Notlage der alten und invaliden Ärzte, ihren Witwen und Waisen an den Herrn Ministerpräsidenten und das Staatsministerium des Innern das dringende Ersuchen, diese Vorlagen möglichst zu beschleunigen und der Ärzteschaft das für sie notwendige Gesetz zur Linderung größter Not in Bälde zu geben."



Landtagsbeschluss vom 1. Oktober 1923 - Aufforderung zur Gründung einer Ärzteversorgung

Mit wesentlicher Unterstützung der damaligen Bayerischen Versicherungskammer, speziell in Person ihres Präsidenten Dr. Ferdinand von Englert, wurde die Initiative aus dem Berufsstand in die Praxis umgesetzt. Die Versicherungskammer - eine dem Staatsministerium des Innern nachgeordnete Behörde - bot die rechtlichen und fachlichen Voraussetzungen, das angestrebte Pflichtsystem der Ärzteschaft zu verwalten. Nachdem sich auch die bayerischen Zahnärzte und Tierärzte der Initiative angeschlossen hatten, beschloss der Bayerische Landtag mit Wirkung zum 1. Oktober 1923 die Errichtung der Bayerischen Ärzteversorgung als Anstalt des öffentlichen Rechts mit dem Zweck, den in Bayern wohnenden Ärzten, Zahnärzten und Tierärzten und deren Hinterbliebenen eine Versorgung zu gewährleisten. Der aktive Mitgliederbestand umfasste zunächst 5.439 Personen.



Auszug aus dem Geschäftsbericht der Bayer. Versicherungskammer für die Bayer. Ärzteversorgung 1924-1929

Unter schwierigsten wirtschaftlichen Bedingungen musste die junge Anstalt ihre Arbeit aufnehmen. Die Verantwortlichen betraten versicherungstechnisches Neuland, da sie über nahezu keine Unterlagen verfügten, die eine Einschätzung des von der Anstalt zu tragenden Risikos zuließen. Der staatliche Gründungskapitalstock von einer Milliarde Mark reichte wegen der stark steigenden Inflation nicht einmal, um die Kosten des Satzungsdrucks zu finanzieren. Ebenso trostlos waren die Einkommensverhältnisse der Ärzteschaft, deren Beiträge dementsprechend gering ausfielen.