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Jüngere Vergangenheit

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Versorgungswerks stellt das Rentenreformgesetz von 1957 dar. Von den Weichenstellungen der Adenauerschen Rentenreform waren die Angehörigen der Freien Berufe in besonderer Weise betroffen. Mit intensiven Bemühungen gelang es den damaligen Präsidenten der Bayerischen Landesärztekammer, Prof. Dr. Hans Sewering, und dem damaligen 1. Vorsitzenden des Marburger Bundes, Dr. Klaus Dehler, sozusagen in letzter Minute vor der entscheidenden zweiten Lesung des Bundestags das Befreiungsrecht für die angestellten Freiberufler im Angestelltenversicherungsgesetz zu verankern. Mit dieser Befreiungsklausel - auch "Magna Carta" der berufsständischen Versorgungseinrichtung genannt - wurde die Grundlage für die flächendeckende Einrichtung weiterer Versorgungswerke gelegt. Der heutige § 6 Absatz 1, Nr. 1 des SGB VI verschaffte der berufsständischen Versorgung endgültig die Anerkennung als vollwertige Ersatzeinrichtung der gesetzlichen Rentenversicherung. Seither nutzen deutlich über 95 Prozent der angestellten Mitglieder diese Befreiungsmöglichkeit. Ferner wurde im Mai 1957 das Gesetz über das öffentliche Versicherungswesen dahingehend erweitert, dass ab Juli 1957 auch die Medizinalassistenten Mitglieder kraft Gesetzes wurden. Dieser Zuwachs an jungen Mitgliedern verstärkte die Leistungsfähigkeit der Anstalt weiter.

Eine ausgeprägte historische Verbundenheit sorgte zunächst dafür, dass die Bayerische Ärzteversorgung auch nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland weiterhin für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte im damaligen Regierungsbezirk Pfalz des Landes Rheinland-Pfalz zuständig war. Abschließend geregelt wurde diese Zuständigkeit in einem Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Land Rheinland-Pfalz von 1964. Weitere Staatsverträge folgten 1972, um auch die Ärzte im ehemaligen Regierungsbezirk Rheinhessen des Landes Rheinland-Pfalz und die Tierärzte im gesamten Bundesland Rheinland-Pfalz sowie im Saarland einzubeziehen.

Um die Interessen der Versorgungswerke gemeinsam und wirksam zu vertreten, wurde 1978 auf Mitinitiative der Bayerischen Ärzteversorgung die Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV) ins Leben gerufen, deren Geschäftsstelle sich zunächst in München befand. Für die Gründung war vor allem die Tatsache entscheidend, dass es den berufsständischen Versorgungswerken bis zu diesem Zeitpunkt nicht gelungen war, entscheidenden Einfluss auf Gesetzesvorhaben des Bundes zu nehmen.  

Der Wiedervereinigungsprozess ermöglichte der Ärzteschaft in den neuen Ländern die Chance, in Selbstverwaltung und Selbstgestaltung berufsständische Versorgungseinrichtungen zu etablieren. Mit dem Einigungsvertrag wurde eine Bestimmung verankert, die das Befreiungsrecht von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung bundesweit in Kraft setzte. Unter maßgeblicher Beteiligung der ABV wurden daraufhin enge Kooperationen mit den neuen Versorgungswerken ins Leben gerufen. Die Bayerische Ärzteversorgung unterstützte dabei vornehmlich Ärzte und Tierärzte in Sachsen beim Aufbau ihrer Versorgungseinrichtung.

Mitte der 90er Jahre kommt es zu weit reichenden strukturellen Veränderungen. Zum 1. Januar 1995 löste das Gesetz über das öffentliche Versorgungswesen als landesgesetzliche Rechtsgrundlage für die Bayerische Ärzteversorgung das Gesetz über das öffentliche Versicherungswesen aus dem Jahr 1933 ab. Die Bayerische Versorgungskammer trat daraufhin an die Stelle der Bayerischen Versicherungskammer. Damit wurde zugleich dem Wunsch der Berufsstände Rechnung getragen, die Mitwirkungsrechte zu erweitern und dem Landesausschuss das Satzungsrecht sowie die Richtlinienkompetenz für die Versorgungspolitik zu übertragen.  

Um weiterhin eine leistungsstarke Altersversorgung zu gewährleisten, wurde am 1. Januar 2006 eine Neugestaltung des Beitragsrechts der selbstständigen Mitglieder durchgeführt. Ausgangspunkt aller Überlegungen war ein angemessener Versorgungsgrad, damit die Funktion als gesetzliches System der so genannten ersten Säule der Altersversorgung aufrecht erhalten werden kann. Zu berücksichtigen waren bei der Neukonzeption auch die Auswirkungen des am 1. Januar 2005 eingeführten Alterseinkünftegesetzes.