Das BVK - Nachhaltigkeitskonzept

Die verschiedenen Ansätze für eine nachhaltige Kapitalanlagestrategie - Best in Class, Ausschlussprinzip oder Engagement-Ansatz - wurden mit Blick auf unseren Versorgungsauftrag analysiert.
Sowohl das Ausschlussprinzip als auch der Best-in-class Ansatz  haben systematische Schwächen. So kann bei einem noch so strengen Ausschlussprinzip letztlich für uns nicht garantiert werden, das ausschließlich nachhaltige Investments getätigt werden. Gleichzeitig verhindert der Best-in-class Ansatz gerade eine diversifizierte Kapitalanlage und scheidet für uns aus Risikogesichtspunkten aus.
Wir haben uns für die von der Bayerischen Versorgungskammer betreuten Anstalten für den Ansatz des Engagements entschieden. Über einen konstruktiven Dialog mit unseren Geschäftspartnern wollen wir in allen Anlagebereichen maximal möglichen Einfluss ausüben, um ein erfolgreiches Wirtschaften im Sinne unserer Nachhaltigkeits-Prinzipien langfristig zu gewährleisten. Diese Vorgehensweise steht im Einklang mit unserer grundsätzlichen Überzeugung, dass ein breit diversifiziertes Portfolio, im Sinne einer robusten Anlagepolitik, in allen möglichen Szenarien erfolgreich sein wird. Mit dem Ansatz des Engagements vertreten wir die Interessen unserer Kunden aktiv, so wie wir uns auch als aktiver Investor verstehen. In der Praxis bedeutet dies, dass wir auf allen Ebenen, die uns als Investor zur Verfügung stehen, den Gedanken des nachhaltigen Investierens fördern und fordern.

Als Grundlage dient hierfür ein allgemein akzeptierter Wertekontext, die Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investment (PRI), welche die BVK 2011 als erster deutscher Altersversorger unterzeichnete.
Sie gehen auf eine gemeinsame Initiative des UN-Umweltprogramms UNEP und des UN Global Compact zurück und haben das Ziel, ökologische, soziale und Governance (ESG-)-Themen in die Kapitalanlage mit einzubeziehen. Sie basieren auf der Prämisse, dass Institutionelle Investoren und Asset Manager die Pflicht haben, im langfristigen Interesse ihrer Anleger zu agieren und sie daher in angemessener Weise beachten müssen, wie ESG- Kriterien die Rendite beeinflussen.

Die Ausgestaltung unseres Nachhaltigkeits-Konzepts - Nur konkretes Handeln wirkt

Konkret setzen wir unsere Verantwortung als aktiver Investor im Sinne der PRI nun in den einzelnen Assetklassen folgendermaßen um:

Die festverzinsliche Wertpapierdirektanlage umfasst den Großteil der Kapitalanlage der BVK. Hier nutzen wir zur Beurteilung der Emittenten Nachhaltigkeitsratings. Die Nachhaltigkeit bemisst sich dabei an der Qualität der Schuldner bzgl. der Einhaltung von branchenspezifischen sozialen und ökologischen Kriterien. Derzeit hält die BVK in der Direktanlage Wertpapiere von verschiedenen Emittenten, die sich aus einem sehr heterogenen Kreis zusammensetzen. Die BVK stützt sich bei deren Bewertung auf die Analysen der Ratingagentur ISS-oekom research AG. Außerdem wurden individuelle Mindestratingvoraussetzungen definiert. Falls ein Emittent die Voraussetzungen nicht erfüllt, wird dieser aufgefordert, zukünftig stärker auf die Einhaltung von Nachhaltigkeitsaspekten zu achten. Tut er dies nicht, könnte dieser aus dem Kreis unserer Emittenten für zukünftige Investments ausgeschlossen werden.

Im Bereich der Aktieninvestments werden vor allem die Stimmrechte genutzt, um den Gedanken der Nachhaltigkeit zu fördern.
Sie werden in einen Pool eingebracht, der sich bei der Nutzung der Stimmrechte an den PRI orientiert. Durch das Poolen der Stimmrechte werden die Einflussmöglichkeiten auf Unternehmen zusätzlich gestärkt. Dabei soll gewährleistet sein, dass die BVK ihr Abstimmungsverhalten individuell bestimmen kann.
Neben der Nutzung der Stimmrechte auf den Hauptversammlungen ist es ein wesentliches Element des Verwalters des Pools, den fortwährenden Kontakt mit Unternehmen zu suchen, um Verbesserungen in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften zu erwirken. In diesem Feld arbeiten wir mit BMO (ehemals F&C) zusammen. BMO versucht primär, über eine dauerhafte und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Unternehmen diese von der Notwendigkeit der Beachtung von nachhaltigen Aspekten zu überzeugen und in der zweiten Stufe tatsächlich die Stimmrechte als Druckmittel zu verwenden.
Da es sich bei den Emittenten von Unternehmensanleihen, sowohl Investment Grade als auch High Yield, und Wandelanleihen in der Regel auch um Aktiengesellschaften handelt, wird diese Asset-Klasse ebenfalls durch den Stimmrechtepool vertreten. Zwar sind mit den Bondinvestments keine Stimmrechte verbunden, dennoch stärkt das Bondsvolumen die Verhandlungsposition von BMO.

Größtenteils über Publikumsfonds decken wir die Bereiche Dachhedgefonds und Rohstoffe ab. Durch die Umstellung auf eigene Managed Accounts im Jahr 2011 haben wir hier unsere Einflussmöglichkeiten entscheidend ausgeweitet.

Bei den Beteiligungsinvestments, wie Private Equity, Infrastruktur und Timber, werden die Mitsprachemöglichkeiten im Rahmen der Nutzung von Sitzen im sogenannten „Advisory Board“ aktiv genutzt. Die Bayerische Versorgungskammer beansprucht in der Regel bei einem Investment in einem Beteiligungsfonds einen Sitz in diesem Gremium, das über die Anlagepolitik und -strategie mit entscheidet. Darüber hinaus wird auch der Kontakt zu anderen Investoren der Programme gesucht, um deren Sensibilität bezüglich nachhaltiger Investments zu stärken.

Bereits bei der Selektion von neuen Managern in diesem Bereich unterziehen wir die potentiellen Geschäftspartner einem detaillierten Due Diligence- Prozess, bei dem insbesondere auch auf Fragen der Nachhaltigkeit eingegangen wird. Wir arbeiten mit keinem Asset Manager zusammen, der keine klar definierte Nachhaltigkeits-Strategie aufweisen kann. Bei Gesprächen mit Asset Managern, die nicht unseren Ansprüchen genügen, weisen wir diese auf unsere Standards hin.

In Immobilien investiert die BVK sowohl direkt als auch über Immobilienfonds. Der Betrachtungshorizont erstreckt sich aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten auf den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie. Er reicht damit von der Konzeption über die konkrete Planung, die Errichtung, die Nutzungsphase bis hin zum Rückbau. Um den wirtschaftlichen Erfolg einer Immobilie zu gewährleisten, ist es notwendig, neben der Lage der Immobilien auch Aspekte wie Energieeffizienz, Bauunterhaltsminimierung oder ressourcenschonende Objekterstellung und -betreibung zu berücksichtigen. Die langfristige Vermietbarkeit einer Immobilie hängt zum Teil maßgeblich diesen Aspekten ab, was zukünftig noch stärker in den Fokus rücken wird. Im Sinne eines nachhaltigen Immobilieninvestmets finden folgende Themen besondere Berücksichtigung:

  • Die pro-aktive Umsetzung der Nachhaltigkeit auf strategischer Portfolioebene
  • Verwendung von Zertifizierungssystemen
  • Zertifizierung von Neubauprojekten
  • Die Aufnahme von Nachhaltigkeitskriterien in den Ankaufsprozess
  • Nachhaltige Sanierungsmaßnahmen
  • Erstellung von Performance- und Bewertungsprozessen
  • Nachhaltiges Facility-Management

Generell spielt in der Zusammenarbeit mit den externen Asset-Managern die Förderung der Nachhaltigkeit in jeder Anlageklasse eine wichtige Rolle. Bereits bei der Auswahl von neuen Fondsmanagern wird in  den verschiedenen Stufen des Prozesses - Fragebogen, Auswahlgespräch und Vor-Ort-Besuch - das Thema aufgegriffen. Ebenso wird in den regelmäßigen Sitzungen mit den bestehenden Managern das Thema angesprochen und diskutiert, inwieweit es Fortschritte bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeit gibt.